DM – Dis Manibus – den Geistern des Verstorbenen. Ein Künstlerbuch von Tatjana Bergelt

Tatjana Bergelt: Dis Manibus, 2020, Buch und Kassette Foto: J. Tiainen

Viola Hildebrand-Schat

Dis Manibus ist eine im antiken Rom geläufige Inschrift, auf die man auch heute noch immer wieder, vor allem bei Spoilien, stößt. Dis Manibus ist vor allem aber der Titel des neusten Künstlerbuches von Tatjana Bergelt. Seite für Seite führt die Künstlerin in eine komplexe Geschichte ein, in der sich der Lebensweg eines Kindes mit einer Untersuchung zur Rolle von Kindern im antiken Rom und aktuelle topografische Gegebenheiten der Stadt buchstäblich überlagern.

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Konturen der Natur

Die Galerie Maurer zeigt aktuell unter dem Titel „Konturen der Natur“ Arbeiten von Aja von Loeper, Joseph Stephan Wurmer und Paul Diestel. Gemeinsam ist den unterschiedlichen Werken eine dezidierte Auseinandersetzung mit der Natur. “Konturen der Natur” vereint Naturstudium alter Tradition mit innovativen Weisen der Um- und Übersetzung.

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Worte nicht in giftige Buchstaben einwickeln. Die Briefe der Meret Oppenheim

Viola Hildebrand-Schat

Wäre die Pelztasse nicht gewesen, wäre Meret Oppenheim wie so viele ihrer Zeitgenossinnen wohl nachhaltig in den Schatten von so dominanten Künstlerpersönlichkeiten wie Hans Arp, André Breton, Marcel Duchamp oder Max Ernst getreten. Mit dem gemeinhin als „Pelztasse“ bezeichneten Objekt hat sich die schweizer Künstlerin ihren Platz nicht nur innerhalb der surrealistischen Kunst, sondern innerhalb der Kunstgeschichte überhaupt gesichert. Ihr Objekt ist geradezu zum Inbegriff surrealistischen Arbeitens geworden, steht es doch in seiner Materialität so völlig der mit Tassen verbundenen Funktion entgegen.

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Vielseitig. Künstlerbücher aus der Sammlung der Bibliothèque nationale du Luxembourg

Viola Hildebrand-Schat

Wie jede neue Publikation lässt auch die jüngst von der Bibliothèque nationale du Luxembourg herausgegebene zur Sammlung der Künstlerbuch auf neue Erkenntnisse oder vertiefende Einblicke in die nach wie vor weder leicht zu greifende noch zu begreifende Thematik des Künstlerbuches hoffen. Innerhalb der akademischen Disziplinen hat das Künstlerbuch lange um seine Akzeptanz gerungen, sahen sich doch die am Buch interessierten Wissenschaften nicht zuständig, weil das Künstlerbuch nicht über textliche Vermittlung zu erschließen war, und die Kunstwissenschaft lehnte die Beschäftigung mit dem Künstlerbuch ab, weil sie dessen Stellenwert als Kunstwerk verkannte.

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Nach dem Schrei

© Christian Rothe

Zülküf Kurt

Jeder öffnet ein neues Fenster im Leben. Einige von uns schauen durch dieses Fenster, ohne sich jahrelang zu langweilen. Einige von uns mögen nicht, was von unserem Fenster aus gesehen wird. Einige von uns wollen ändern, was sie sehen. Meistens wissen wir nicht, wie weit wir in die Welt aus dem Fenster stehen, und wir sind nicht diejenige, die bestimmen, wo wir stehen sollen. Es gibt aber solche, die uns mit Farben erzählen, was sie durch das Fenster sehen. Einer von ihnen ist Ulrike Theusner. Ihre Zeichnungen, die verschiedenen Techniken, die sie anwendet, und die Tatsache, dass sie immer noch auf der Suche ist, lassen sie unter seinen Zeitgenossen einen Schritt voraus sein.

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Eva Aeppli – Selbstzeugnis und Mythisierung als künstlerische Strategie

Viola Hildebrand Schat

Aller Bemühungen zum Trotz das Werk von Künstlerinnen aus dem Schatten der Kunstgeschichtsschreibung hervorzuholen, gerät das der 1925 im schweizerischen Zofingen geborenen Eva Aeppli immer noch ins Hintertreffen. Grund ist das Zusammentreffen einer Reihe von Faktoren und sicher nicht zuletzt das Zutun der Künstlerin selbst. Obwohl vielfältig begabt, hat Aeppli sich nicht wesentlich um eine Ausbildung und schon gar nicht um die Entwicklung einer Karriere bemüht.

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Pteroptyx Tener oder das Glühwürmchen als Bildgegenstand bei Grimonprez

© Courtesy of the artist and Galerie Anita Beckers

Viola Hildebrand Schat

Der in Trinidad geborene, heute in Gent lebende Johan Grimonprez ist hierzulande kein Unbekannter, war er doch 1997 auf documenta X vertreten. Charakteristisch für Grimonprezs Arbeiten sind sowohl intermediale Verschränkungen wie auch eine fundierte Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Fragen. Dabei stellt er grundlegende Wahrnehmungsweisen zur Disposition, nicht zuletzt auch den immer wieder hervortretenden eurozentristischen Blick.

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Die Sprache der Form und des Materials

Martine Andernach, Dietz Eilbacher und Hans Steinbrenner im KunstRaum Bernusstraße

Skulpturale Arbeiten haben dem Betrachter immer schon mehr abgefordert als Gemälde, allein schon deshalb, weil sie sich in den Raum einbinden und mit ihrer räumlichen Umgebung korrespondieren. Für den Betrachter heißt das, dass er sich auf die Raumsituation einlassen, dass er sich selbst im Raum und in Beziehung zum Werk verorten muss, das aber nicht von einem einzigen Standpunkt aus kann, vielmehr seinen Blickpunkt mehrfach verändern muss. Hinzu kommt, dass gerade bei der modernen und zeitgenössischen Skulptur Form und Material an sich ikonographische Implikationen dominieren. Das Wesen des Werkes erschließt sich über seine Form im Verhältnis zum Umraum und dem Licht, was wiederum durch die Oberfläche wesentlich mitbestimmt wird.

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Kartographie einer Reise

Vom Sammeln und Erinnern als künstlerisches Konzept

Sigrid Sigurdsson, gleichwohl von der Kunstgeschichte immer noch viel zu wenig beachtet, ist keine Unbekannte. Seit nun zwanzig Jahren befindet sich im Historischen Museum Frankfurt eine ihre raumgreifenden Installationen, wie sie unter der Bezeichnung „offenes Archiv“ international Aufmerksamkeit erregt haben. Braunschweig, Danzig oder Sutthof in Polen sind nur einige Orte, an denen die Künstlerin offene Archive eingerichtet hat. Es sind Orte, an denen Erinnerungen gesammelt werden – und zwar durchaus handgreiflich. Die hier zusammengetragenen Erinnerungen manifestieren sich in Gegenständen des Alltags, des persönlichen Gebrauchs, in Fotografien, Bilder und Aufzeichnungen aller Art.

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Gespalten

©Dora Ostrovsky Art Hub Gallery Mykola Ridnyi-Under Suspicion 768×432

Zülküf Kurt

Bei Dora Ostrovsky Art Hub Gallery ist aktuell eine von Boris Mikhailov kuratierte Ausstellung junger urkrainischer Künstler zu sehen. Mit Werken vertreten sind neben Mikhailov selbst Alina Kleytman, Sasha Kurmaz, Vlada Ralko und Mykola Ridnyi. Gemeinsam ist den künstlerischen Ansätzen bei aller Unterschiedlichkeit der schonungslose Blick auf den von Armut und Gewalt geprägten Alltag. Die Künstler konfrontieren den Betrachter mit Situationen, in denen er oder sie zum Beobachter von Beobachtung wird, die entweder voyeuristische Züge annimmt oder der Kontrolle und Überwachung dient.

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