Alle sprechen über die documenta fifteen, keiner redet über die Kunst

Nachdem die diesjährige documenta schon im Vorfeld zu allerhand Spekulationen Anlass gegeben hat, überschlagen sich nun die Kommentare, scharfe Kritik und Vorwürfe gegenüber den Organisatoren und Verantwortlichen dominieren jedes Gespräch, jeden Bericht über die documenta. Die Kunst, die reichlich vertreten ist, scheint darüber gänzlich unterzugehen. Dabei bietet gerade diese ein umfassendes und abwechslungsreiches Programm. Die in den verschiedenen Künstlerkollektiven aktiven Künstler werden sich im Verlaufe der 100 Tage documenta ablösen und dabei jeweils neue Positionen eröffnen.

Tolookat wird den Wechsel über den Verlauf der documenta hin verfolgen und über die künstlerischen Positionen berichten. Ein erster Blick gilt Nino Bulling, der in der Hafenstraße seine neuste Graphic Novel Abfackeln vorstellt. (siehe hier auf tolookat / Rubrik Bücher)

Margret und Christine Wertheim Werte und Wandel der Korallen

Museum Frieder Burda, Baden-Baden
29. Januar bis 26. Juni 2022

Margaret and Christine Wertheim and the Institute For Figuring,
Red Nudibranch Reef, 2022 Photo © IFF by Rebecca Rickman

In farbenprächtigen Installationen breiten sich im gesamten Museum Korallenriffe aus, in denen alle Formen und Varianten vorkommen, die Korallen wohl aufweisen können und auf den ersten Blick scheint nichts die musealen Riffe von jenen zu unterscheiden, die sich Tauchern in küstennahen, vornehmlich den sonnendurchfluteten Gewässern in der Nähe des Äquators bieten. Doch treten Korallen nicht nur in tropische, sondern fast mehr noch in kalten Gewässern auf. Bis zu einer Tiefe von über 3.000 Meter breiten sie sich in ihrer geheimnisvollen Pracht aus. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen in den Tropen, die auf eine Symbiose mit Algen angewiesen sind, ernähren sich die Kaltwasserkorallen von kleinen Lebewesen. Gemeinsam ist den an unterschiedlichen Orten auftretenden Korallen jedoch die Vielfalt an Formen und Farben. Manche erscheinen wie Blüten, andere wie besondere Baumarten.

„Margret und Christine Wertheim Werte und Wandel der Korallen“ weiterlesen

My Mind‘s Eye

© Zülküf Kurt

Die Fotoausstellung „My Mind‘s Eye“  des amerikanischen Fotografen  Peter Fink (1907-1984) ist im Fotografie Forum bis zum 16. Januar 2022 zu sehen und hat seit ihrer Eröffnung die Aufmerksamkeit von Fotoliebhabern auf sich gezogen.

Die hier ausgestellten Arbeiten besteht in  Schwarz-Weiß- Fotos, die  Peter Fink seit 1970 auf seinen Reisen durch die Welt anfertigte. Festgehalten hat er unter anderem Motive aus  Japan, Frankreich, Portugal, Amerika und Nordafrika.

„My Mind‘s Eye“ weiterlesen

JEWELLERY & GARMENT

JEWELLERY: Lisa Walker: „ohne Titel“, necklace, 2019, mobile phones, thread | „ohne Titel“, Halsschmuck, 2019, Mobiltelefone, Schnur Petra Zimmermann: „ohne Titel“, ring, 2021, copper, silver, polymethyl methacrylate | „ohne Titel“, Ring, 2021, Kupfer, Silber, Polymethylmethacrylat GARMENT: Maison Martin Margiela: Mens suit, 2009, cotton | Herrenanzug, 2009, aus Baumwolle Photo: René Arnold, digital imaging: Wolfram Otto, Model: Konstantinos Kammenos

Ein Official Side Event im Rahmen der Frankfurter Fashion Week sollte die Ausstellung „Jewellery & Garment“ sein. Da die Fashinon Week kurzfristig abgesagt wurde, sind auch Ort und Zeitraum der Ausstellung ungewiss. Geplant ist jedoch das wunderbare Zusammenspiel von Mode und Autorenschmuck. Svenja John (Berlin) und Petra Zimmermann (Wien) – beide Schmuckkünstlerinnen – zeigen damit erstmals in der von ihnen kuratierten Ausstellung das Zusammenspiel der Schwesterdisziplinen.

„JEWELLERY & GARMENT“ weiterlesen

Museums-Zirkel

© Zülküf Kurt

Am 11. 12. 2021 öffnet das Zollamt mit einer neuen Ausstellung seine Türen für Besucher. 40 Werke aus verschiedenen Frankfurter Museen werden hier einem Konzept John Cages folgend ausgestellt. Die Notation von John Cages Museumcircle aus dem Jahr 1991 lautet: „…im Museum (einer bestimmten Stadt) eine Ausstellung von Objekten aus anderen Museen (derselben Stadt) zu machen, die an zufällig bestimmten Positionen gehängt oder platziert werden. Um das zu erreichen, stellt jedes Museum etwa ein Dutzend Gegenstände zur Verfügung. Aus diesen potenziellen Quellen werden durch Zufallsoperationen die tatsächlich zu verwendenden Exponate ausgewählt.“

„Museums-Zirkel“ weiterlesen

I Am Not My Negro*

© Zülküf Kurt

Die amerikanische schwarze Künstlerin Kara Walker ist mit ihren über 650 Werken zu Gast in der Schirn Kunsthalle. Die Werken von Walker auf Papier sind kleinformatige Malereien, Zeichnungen, Skizzen, Notizen auf Karteikarten und handbeschriebene Zettel. Die Ausstellung mit markanten Werken hat ein sehr reichhaltiges Erscheinungsbild.

„I Am Not My Negro*“ weiterlesen

Mischa Kuball – Referenzräume

© kunstmuseum.de

Bis Mitte September waren unter dem Titel „Referenzräume“ Arbeiten des 1959 geborenen Künstlers Mischa Kuball im Kunstmuseum in Wolfsburg zu sehen. Bekanntheit erlangte Kuball durch lichtbasierte Arbeiten mit überwiegend politischem Bezug – so 1994 Refraction House in der Synagoge in Stommelns oder jüngst eine kritische Auseinandersetzung mit den Arbeiten Emil Noldes in der Draiflessen Collection Mettingen. Mittels Licht lenkt der Künstler den Blick auf Verstecktes, Übersehenes oder Unsichtbares. Die jeweils speziellen Lichtinszenierungen scheinen förmlich die Oberfläche des Bewusstseins zu durchdringen und den Betrachter auf Fakten zu stoßen, die ihn zum Hinterfragen des bislang Vertrauten veranlassen. Im Idealfall wird das gesamte Wahrnehmungsverhalten auf den Prüfstand gehoben, um dem ersten visuellen Eindruck zu misstrauen.

„Mischa Kuball – Referenzräume“ weiterlesen

Die weibliche Seite Gottes. Kunst und Ritual

GEBETBUCH (MACHSOR), 1300–1330, Handschrift auf Pergament, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Signatur: Cod. Levy 37

Sofern überhaupt noch über Religion, religiöse und kultische Bräuche nachgedacht wird, sind sie durchweg patriarchal ausgerichtet, also auf eine als männlich vorgestellte Gottheit hin. Der patriarchale Gott beherrscht die großen Religionen wie das Judentum, das Christentum und den Islam. Dem gegen über tritt schnell in Vergessenheit, dass Religion, Glauben und männliche Gottheit keine notwendige Einheit bilden, dass es vielmehr auch Religionen gab, denen eine Göttin vorstand. Ebenso ist wenig oder gar nicht bewusst, dass dem männlichen Gott immer ein weiblicher Anteil eigen ist. Auf diesen Aspekt unter anderem führte die Ausstellung im Jüdischen Museum in Frankfurt hin, deren Inhalte dauerhaft in einem ebenso umfangreichen wie eindrücklichen Katalog fixiert sind.

„Die weibliche Seite Gottes. Kunst und Ritual“ weiterlesen

Die Büchse der Pandora

Zülküf Kurt

Eine Freundin rief am Samstagmorgen an und lud mich zur Fotoausstellung Ulli Crespo im Zollamt ein.

Samstagmorgen war es sonnig, aber kalt. Alle waren draußen, um die Sonne zu genießen, obwohl es kalt war.

Ich traf meine Freundin vor dem Zollamt, da war es noch sonnig. Wir gingen in die Ausstellung „Görndland Eiskalt“. Von den Gletschern auf den Bildern schlug uns die Kälte förmlich entgegen. Sonnige Unmittelbarkeit und eisige Mittelbarkeit…..

„Die Büchse der Pandora“ weiterlesen